DAS PUPPENHAUS

Weihnachten ist auch ein trauriges und melancholisches Fest. Kerzenlicht, Dunkelheit und Winter. Tiefe Gefühle werden geweckt. Obwohl überall Liebe und Freude versprochen wird, kannst du dich einsam fühlen. Trotz bester Umsetzung aller Erwartungen bist du fremd im Glitzer-Dschungel.

So, wie in der Adventszeit die Vorbereitungen in Hektik und Stress überschwappen, kann an den Feiertagen die Stimmung auch mal schnell kippen in Frustration oder Aggression.

Früher, bei mir zuhause, war Weihnachten akribisch, minutiös, gnadenbringend, jedes Jahr gleich. So wie die 11 Monate davor auch. Dieses starre fröhliche Familienfest getackert mit Kirche, Braten, singen, flöten und Geschenke und dann alles penibel aufräumen und pünktlich ins Bett.

Heimeliges Christfest ohne Worte des Herzens, Wärme oder Nähe.

Jetzt kommt meine traurigste Weihnachtsgeschichte:

In dieser Idylle darf natürlich das Puppenhaus nicht fehlen. Jedes Jahr die selbe Prozedur. Immer und nur an Weihnachten bringt das Christkind für die Kinder das Puppenhaus. Es steht unterm Weihnachtsbaum. Eine kleine Küche mit Spülmaschine und Eckbank. Ein blaues Schlafzimmer für die Puppeneltern. Eine Bauernstube mit Kamin, ein rosa Badezimmer und ein Kinderzimmer mit Stockbett und Gitterbett und Babywiege. Die Krönung war der Balkon mit Sonnenschirm und Hollywoodschaukel. Ich konnte es nicht erwarten bis endlich das Glöckchen klingelte . Die Geschenke waren mir egal. Endlich konnte ich loslegen. Ich spielte dann stundenlang. Das Haus hatte elektrische Lämpchen und so bin ich auch nachts heimlich aufgestanden und habe gehaushaltet – glückselig genau 14 Tage !!! Denn am 6. Januar, so ist es verkündet, kommt das Christkind und nimmt das Puppenhaus wieder mit.

Es war für mich völlig unverständlich und ein quälender Schmerz. Aber alles Betteln nutzte nicht, alles wurde schön eingepackt und auf dem Dachboden versteckt. Jahrelang habe ich die Tage gezählt. Verwandte, Freunde, Nachbarn, SuS, sogar Fremde habe ich befragt, doch niemals niemand getroffen mit demselben Schicksal.

Durch diese Erfahrungen war Weihnachten ein paar Jahre verpfuscht, logischerweise wie noch viele andere Erkenntnisse aus derselben Familie. Es hat mein Leben geprägt. So dass ich heute noch oft denke: nichts ist für immer, und es wird noch geheuchelt, als wäre es gut. Die schönste Zeit im Jahr und besonders für kleine Kinder…..Naja, es hat in mir viele Fragen aufgeworfen. Es ist nicht immer davon auszugehen, dass alle Kinder sich über alles freuen.

Ein Wegweiser für neue Pfade, noch schnell vor dem letzten Shopping-Countdown. Rastlos verzweifelt auf Geschenkejagd, obwohl die Kinderzimmer schon überquellen.

Doch es gab auch mal andere Zeiten, da hatten Kinder keine Spielsachen.

Deshalb heute: Friedrich Fröbel ( 1782- 1852 )

Ein deutscher Pädagoge und Erfinder des Kindergartens und der Fröbel-Pädagogik. Kinder sollen durch Lernen, Spielen und Erforschen gefördert werden, so wie Gärtner:innen ihre Pflanzen pflegen. Vor 300 Jahren war die Kindheit von Arbeiten und Pflichten geprägt. Die wenigsten Kinder gingen in die Schule.

Fröbel entwickelte spezielle Beschäftigungsmaterialien wie Bälle, Würfel und Zylinder, Reime und Lieder. Sein Konzept revolutionierte die Pädagogik weltweit, indem er die frühe Kindheit als entscheidende Entwicklungsphase sah, und das Kind als eigenständige Persönlichkeit betonte. Für Kreativität und Motorik entwickelte er „Spielgaben“, die die Fantasie und das Denken anregen. Beliebt und bekannt ist der „Fröbelstern“, der oft an Weihnachten gebastelt wird….. https://www.youtube.com/watch?v=XSD1NHYCCgc Und … wer hätte es gedacht? Er war begeisterter Anhänger von Pestalozzi. Friedrich Fröbels Grab ist ein Denkmal, auf dem drei übergroße Bauklötze stehen.

Doch aus diesem „Fröbeln“ ist Massenkonsum geworden. Ironischerweise wird immer Neues erfunden, um das Leben zu verbessern, doch paradoxerweise ist das Gegenteil der Fall. Die Gesellschaft wird immer gieriger, irgendwie besonders an Weihnachten. Aber viele Spendenaktionen an Weihnachten, und der extra Euro fürs Bäume pflanzen. Doch diese herzzerreisende Unterstützung, ist auch bequem um sich der Verantwortung zu entziehen. Wir rechtfertigen dadurch unser Handeln.

Bevor wir uns jetzt in die nächste shopping Schlacht stürzen, hinterfrage die widersprüchlichen Botschaften vieler Angebote.

Fröhliche Weihnachten – viel Lachen, gutes Essen und schöne Geschenke.

PS: Welches war dein Lieblingsspielzeug und erzähle es beim nächsten Dinner.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert